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Mimopay: Indonesisches FinTech an Schweizer Börse SIX

Februar 26, 2020
Mimopay: Indonesisches FinTech an Schweizer Börse SIX

Ein indonesisches FinTech hat es an die Schweizer Börse geschafft. Achiko will mit seiner Plattform Mimopay in Südostasien Geld verdienen. Auf dem Markt mit fast 2 Milliarden Menschen will das Unternehmen schnelle, sichere und bequeme Zahlungen für digitale Services wie zum Beispiel Spiele anbieten. Was hat es mit dem exotischen Börsengang auf sich?

Das indonesische FinTech Achiko ist seit dem 8. November an der Schweizer Börse SIX notiert. Nachdem der Börsengang bereits für Anfang Oktober geplant war, wurde das IPO nun vollzogen. Wie die Schweizer Börse SIX mitteilte, platzierte Achiko in einem Direct Listing 90 Millionen Aktien.

Direct Listing statt IPO

Ein Direct Listing unterscheidet sich von einem klassischen Börsengang (IPO, Initial Public Offering). Bei einem Direct Listing nehmen Unternehmen kein neues Kapital auf. Außerdem gibt es keine klassische Roadshow. Dafür fallen die Kosten des Börsengangs deutlich günstiger aus als bei einem IPO.

Achiko-CEO Kennth Ting kommentierte den Börsengang im Gespräch mit der „Handelszeitung“: „Die Quotierung in der Schweiz bringt uns gegenüber unseren Konkurrenten einen Vorteil, denn sie verhilft uns zu mehr Vertrauen potenzieller Investoren und ermöglicht somit die geplante Expansion“.

Achiko sitzt in der indonesischen Hauptstadt Jakarta. Das Unternehmen bietet Zahlungsdienste an. Die Zielgruppe besteht aus Menschen, die weder Bankkonto noch Kreditkarte besitzen. Dafür wurde im vergangenen Jahr die Plattform Mimopay durch Achiko übernommen. Mimopay gibt es bereits seit dem Jahr 2012.

Das Tencent für Südostasien

Achiko plant nun eine groß angelegte Expansion in Südostasien und Indien. Dieser Markt umfasst ca. zwei Milliarden Menschen. Etwa die Hälfte davon besitzt kein Bankkonto. Neben Mimopay gibt es weitere Dienste von Achiko. Das Unternehmen orientiert sich erkennbar am chinesischen Tencent und hat diverse Unterhaltungsdienstleistungen integriert.

Achiko will das Tencent Südostasiens werden. Dazu soll das Mimopay Prinzip auf die ganze Region ausgeweitet werden. Das Prinzip: In einem einzigen Unternehmen werden diverse Zahlungs- und Unterhaltungsplattformen gebündelt und den Nutzern angeboten. Achiko bietet dafür in allen Ländern Südostasiens soziale Netzwerke an. Anders als Facebook sind diese auf die regionalen Bedürfnisse der Kunden angepasst. Deshalb verspricht sich die Unternehmensleitung einen größeren Erfolg ihrer eigenen sozialen Netzwerke im Vergleich zum in der Region eher erfolglosen Facebook.

Achiko startete im Jahr 2012 mit einer Messaging Plattform. Später kamen eine E-Wallet für Zahlungen, einige Gaming App und ein Influencer Portal hinzu.

Mimopay ist für Achiko von erheblicher strategischer Bedeutung. Rund die Hälfte der 260 Millionen Indonesier besitzt kein Bankkonto. Gleichzeitig besitzen fast 70 % der Menschen ein Smartphone. Wollen die Nutzer im Internet einkaufen oder Spiele spielen, müssen dafür Zahlungen durchgeführt werden. Dies ermöglicht Mimopay.

Nutzer der Plattform können mit Prepaid Handyguthaben bezahlen. Darüber hinaus ist Barzahlung möglich – in 10.000 Lebensmittelläden und an Geldautomaten im ganzen Land. Mimopay nimmt diese Zahlungen entgegen und leitet sie an Verkäufer, Spielebetreibern etc. weiter. Diese sitzen häufig in China. Dafür verlangt die Plattform eine Gebühr in Höhe von 3-5 %.

Wie lief der Börsengang?

Das Unternehmen hat die knapp 90 Millionen Aktien zu 0,7 USD pro Stück an der SIX notiert. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens beläuft sich daran gemessen auf knapp 63 Millionen USD. Das Handelsvolumen in den ersten Tagen nach der Notierung fiel äußerst gering aus. Die Kurse lagen jedoch über dem ersten Kurs.

An Achiko sind verschiedene Investoren beteiligt, darunter das eigene Management, der indonesische Medienkonzern MNC und die Risikokapitalgesellschaft SOSV. Die Schweizer Zeitung „Finanz und Wirtschaft“ weist auf eine Einschätzung des Beratungsunternehmens Grant Thornton hin. Demnach basiere der Unternehmenswert von 63 Millionen USD allein auf der letzten Finanzierungsrunde. Eine sorgfältige Prüfung habe damals jedoch gar nicht stattgefunden.

Finanz und Wirtschaft verweist auf den Listing Prospekt. Demzufolge erzielte Achiko im ersten Halbjahr 2019 einen Umsatz von rund 3,6 Millionen USD. Im gleichen Zeitraum wurde ein Verlust in Höhe von rund 1 Million USD eingefahren. Auch die Entwicklung der Vorjahre war wenig berauschend. Das Management rechnet selbst nicht damit, in näherer Zukunft die Gewinnschwelle zu erreichen. Finanz und Wirtschaft rät deshalb vom Kauf ab. Das Blatt verweist zudem darauf, dass es unabhängig von diesem Börsengang erhebliche Kritik am Direct Listing Verfahren der SIX gebe.

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