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Wirecard startet boon.Planet: Wird es gefährlich für N26?

November 29, 2019
Wirecard startet boon.Planet: Wird es gefährlich für N26?

Wirecard steht wieder mal in den Schlagzeilen – diesmal geht es aber nicht um Bilanzvorwürfe der Financial Times und turbulente Kursbewegungen an der Börse. Stattdessen hat sich die FinTech Bank aus Aschheim mit einem neuen Produkt zurückgemeldet. „boon.Planet“ soll den Platzhirschen unter den FinTechs Konkurrenz machen. Wirecard bewirbt das neue Angebot als vollwertiges Smartphone Girokonto inklusive Kreditkarte.

Wie die Wirecard Bank am 29. Oktober 2019 bekannt gab, steht das boon.Planet Girokonto nun allen Kunden in Deutschland zur Verfügung. Die Pilotphase sei erfolgreich abgeschlossen. Damit wird das Angebot unter der Marke boon erweitert. Bislang bestand das Angebot lediglich aus einer Prepaid-Kreditkarte. Diese wird auch weiterhin angeboten. Die boon Mastercard adressiert insbesondere Kunden, die gerne mit Google Pay oder Apple Pay bezahlen.

boon.Planet: Wirecard verspricht vollwertiges Girokonto

Anders als bei der boon Mastercard steht hinter boon.Planet die Wirecard Bank AG aus Aschheim mit BaFin Lizenz und Anschluss an die deutsche Einlagensicherung. Die Prepaid Mastercard wird dagegen durch die Wirecard Card Solutions Ltd mit Sitz in Newcastle angeboten. Bei dieser Tochtergesellschaft handelt es sich nicht um eine Bank, sondern um ein E-Geld-Institut mit britischer FCA Lizenz.

Angekündigt hatte Wirecard Chef Markus Braun das neue Smartphone Konto bereits vor rund einem Jahr. Wirecard verspricht mit dem neuen boon.Planet ein vollwertiges Bankkonto. Zunächst ist dieses ausschließlich für Android Smartphones verfügbar. Eine weitere Version für iOS Betriebssysteme soll in absehbarer Zeit folgen. Ein genauer Termin steht jedoch noch nicht fest.

Konto mit deutscher IBABN und virtueller Debit Mastercard

Das boon.Planet Girokonto ist mit einer deutschen IBAN ausgestattet. Zusätzlich gibt es eine virtuelle Debit Mastercard. Im Unterschied zur Prepaid-Karte entspricht der Verfügungsrahmen damit grundsätzlich dem Guthaben auf dem angebundenen Girokonto. Optional können sich Kunden eine Plastikkarte für Barverfügungen am Geldautomaten schicken lassen.

Für Zahlungen im Handel ist die Plastikkarte nicht zwingend notwendig. Hier reicht das Smartphone in Verbindung mit Google Pay. Auch Fitbit Pay und Garmin Pay werden unterstützt. Es fallen keine Auslandseinsatzentgelte an.

Eine deutsche IBAN ist gegenüber anderen FinTechs ein Vorteil. Nutzer anderer Smartphone-Konten berichteten darüber, dass ausländische IBANs benachteiligt und zum Beispiel mit verzögerten Überweisungen verbunden waren.

Das boon Girokonto ist für den Lastschriftverkehr freigeschaltet. Auch hier besteht ein Vorteil gegenüber anderen FinTechs. Lastschriften sind bei längst nicht allen Smartphone-Konten möglich. Boon.Planet ermöglicht neben Lastschriften und SEPA Überweisungen auch Daueraufträge. Kontoauszüge werden monatlich zum Download bereitgestellt.

Ein nützliches Feature: Rechnungen oder Kassenzettel können an Transaktionen angehängt werden. Kontoinhaber können zudem Notizen bei Transaktionen hinterlegen.

Über die App ist es darüber hinaus möglich, Karten zu sperren.

Noch keine Revolution bei neuen Kontofunktionen

Die Revolution bei der Benutzeroberfläche bleibt jedoch zunächst aus. Es gibt ein Multi Finanzmanagement. Kontoinhaber können auch Konten von anderen Banken in der App anzeigen lassen. Diese Möglichkeit gibt es zwar bei den direkten Konkurrenten N26 und Revolut nicht. Dafür aber bei etablierten Kreditinstituten wie zum Beispiel der Deutschen Bank.

Das Konto ordnet Einnahmen und Ausgaben automatisch in Kategorien und erleichtert damit die Haushaltsplanung. Diese Funktion gibt es jedoch auch bei zahlreichen anderen FinTech Girokonten.

Laut Wirecard soll der Funktionsumfang in naher Zukunft (offiziell ist die Rede von Wochen und Monaten) wachsen. Geplant sind ein Dispositionskredit, Sparpläne und ein Bonusprogramm. Perspektivisch soll das Konto auch als Vertriebskanal für weitere Finanzdienstleistungen wie z. B. Versicherungen genutzt werden. Wie dies funktionieren kann, zeigt N26. Das Berliner FinTech hat die Versicherungsapp Clark integriert. Diese hilft dabei, verschiedene Versicherungspolicen zu verwalten - und natürlich, Verträge zu wechseln oder neu abzuschließen.

Strategische Partnerschaften in Planung

Die Pläne von Wirecard gehen jedoch weiter. So sollen Verkehrsapps in die Banking App integriert werden. Die Bank will damit Verbraucher zum Beispiel ermöglichen, aus der App heraus ein Taxi zu bestellen oder einen Bike Sharing Dienst zu nutzen und direkt zu bezahlen. Dies wäre für den deutschen Markt eine Neuerung. In anderen Ländern sind solche Dienste weiter verbreitet – Beispiele dafür sind Alipay oder WeChat Pay.

Wann solche Dienste zur Verfügung stehen könnten und wie umfangreich die Pläne realisiert werden, ist jedoch noch offen.

Nicht in jeder Hinsicht digital

Die Kontoeröffnung erfolgt über die App und dauert grundsätzlich nur wenige Minuten. Die gesetzlich vorgeschriebene Identitätsprüfung erfolgt mittels Videoident. Wirecard kooperiert dazu mit dem Dienstleister ID Now.

Dass das Angebot noch nicht in jeder Hinsicht ausgereift ist, zeigt ein Blick auf den Kontowechselservice. Diesen bieten viele (auch etablierte) Banken längst in einer digitalen Form an. Bei boon.Planet  müssen Neukunden dafür ein herkömmliches Formular ausfüllen und ganz klassisch unterschreiben.

Kontoführung ohne Fixkosten

Bislang gibt es (anders als bei vielen direkten Konkurrenten) nur ein Gebührenmodell. Dieses sieht eine kostenlose Kontoführung vor. Jahresgebühren für die Kreditkarte (egal ob digital oder physisch) fallen ebenfalls nicht an. SEPA Überweisungen sowie Einzahlungen zugunsten des Kontos mit Kreditkarte sind kostenlos. Für Abhebungen am Geldautomaten Euro fällt eine Gebühr in Höhe von 2 EUR pro Abhebung an. Bei Abhebungen in Fremdwährung beträgt die Gebühr 4 EUR.

Die in der bisherigen Zeit gewonnen Kunden scheinen überwiegend zufrieden zu sein. Im Google Play Store erreicht die App jedenfalls 4,2/5,0 möglichen Sternen. Einzelne User bemängeln die langen Ladezeiten. Wirecard äußerte sich selbst im Kommentarbereich und gab an, an schnelleren Ladezeiten zu arbeiten.

Gefahr für N26?

Wird das boon Girokonto zu einem ernsthaften Konkurrenten für N26 und Co.? Denkbar wäre es durchaus. Die Wirecard Bank verfügt über Reichweite und Kapital genug, um schnelles Wachstum zu finanzieren. Know-how sollte ebenfalls genügend vorhanden sein – schließlich kooperiert Wirecard seit langer Zeit in verschiedenen Funktionen mit diversen FinTechs. Gelingt es, die App mit zusätzlichen Innovationen von der direkten Konkurrenz abzuheben, könnte das Kontomodell rasch an Zulauf erfahren.

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